Theater

Peter und der Wolf... auch im WDR...

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Vor mehr als 1500 Kindern und Erwachsenen führte unsere Schule "Peter und der Wolf" in der Stadthalle Gladbeck auf. Ein riesiger Erfolg, denn nicht nur die örtlichen Zeitungen, sondern auch die bundesweite Presse und das Fernsehen zeigte sich interessiert.

Einen Live-Stream (DSL empfohlen - Flash-Plugin erforderlich) kann man hier betrachten - es handelt sich um einen Veranstaltungshinweis des WDR, einen ganzen Tag begleitete uns das Fernsehteam bei der Generalprobe.

 

Katze und Klarinette, Vogel und Querflöte ------- Jordan-Mai-Schule inszeniert " Peter und der Wolf‘ 

Ein bunter Vogel steckt seinen gefiederten Kopf durch den Bühnenvorhang der Gladbecker Stadthalle, der Blick geht suchend durch den Orchestergraben. Plötzlich ein Lächeln, ein schüchternes Winken. Zurück winkt die Querflöte; Vogel, der zehnjährige Gordon, und Querflöte, Martina Schansky, gehören schließlich zusammen, bei "Peter und der Wolf" von Sergei Prokofjew.

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Hinter der Bühne sitzt derweil Eva-Maria, die Darstellerin des Peter, mitten im Bühnenbild. Die neunjährige Schülerin der Jordan-Mai-Schule für Geistigbehinderte blinzelt in eine Fernsehkamera des Westdeutschen Rundfunks. Es ist ihr erstes Fernsehinterview, aber die deutlich mangelnde Erfahrung als "Medienstar" macht Eva-Maria durch einen unwiderstehlichen Charme mehr als wett. Natürlich ist sie vor dem großen Auftritt ziemlich aufgeregt, die Aufgabe ist ja auch nicht ohne: "Ich muß doch den Wolf fangen".

 Von der Seite kommt die Ente angewatschelt, frisch aus der Maske, mit Kissen ausstaffiert und so in "Entenform"‘ gebracht. "Meine Güte," bemerkt Marcel (9), "ich bin vielleicht schnell fett geworden."

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 Langsam wird es ernst für die 25 Schüler und Schülerinnen der Jordan-Mai-Schule, ihre 20 Schauspielerkollegen der integrativen Lutherschule und das Orchester der Gladbecker Musikschule. Die Generalprobe für "Peter und der Wolf" startet mit der Vorstellung der Paare.

Peter und die Streicher finden sich auf der Bühne zusammen, die Katze streicht um die Klarinette, beim Auftritt der Jäger peitschen die Schüsse aus der Pauke.

Schließlich ist das Ensemble komplett, die Handlung beginnt. Die Aufführung ist nicht nur mit viel Liebe inszeniert, sondern auch überraschend pfiffig durchdacht. So löst sich nach dem Angriff des Wolfs die so schön watschelnde Ente plötzlich in einzelne Federn auf, die über die Bühne schweben. Dezent im Hintergrund, für die Zuschauer so gut wie unsichtbar, stehen Lehrerinnen und Lehrer der jungen Schauspieltruppe hilfreich zur Seite, retten über manchen "Hänger‘ hinweg und dirigieren auch schon mal Peter, Katze oder Jäger an die richtige Stelle. Klar, dass bei der Generalprobe nicht gleich alles reibungslos klappt. Plötzlich sitzt das Orchester im Dunkeln. "Zwei Takte kann ich ja auswendig", kommentiert der Fagott-Großvater, "aber dann hätte ich doch gerne wieder Licht." Es wird auch schnell wieder hell, das Stück nimmt seinen Lauf, und zum guten Schluss hat Eva-Maria ihre Aufgabe erfüllt, hat Peter den Wolf gefangen, jubilieren die Streicher. Und aus dem Publikum der treffende Kommentar: "Einfach klasse!"

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"Peter und der Wolf‘ ist inszeniert von der Jordan-Mai-Schule, Sonderschule für Geistigbehinderte in der Trägerschaft des Bistums Essen, unterstützt von der integrativen Lutherschule und dem Gladbecker Musikschulorchester. Ein Novum ist dabei die Zusammenarbeit zwischen einer evangelischen Grundschule, einer Einrichtung der Stadt Gladbeck und einer Schule des Ruhrbistums. Der Kontakt der geistig behinderten mit den nicht behinderten Kindern und Jugendlichen hat schon bei den Proben ein absolut unbefangenes Umgehen miteinander gezeigt. Aufgeführt wird "Peter und der Wolf‘ am 13. und 14. September in der Gladbecker Stadthalle. (me)

 

 

 

Bericht des Deutschen Depeschen Dienstes

Gladbeck (ddp-nrw). Der Wolf schleicht grimmig über die Bühne, visiert einen Vogel an und leckt sich die Lippen. Sein Darsteller, der 13-jährige Björn Lockau, geht spürbar in seiner Rolle auf. Im Scheinwerferlicht ist er von den anderen jungen Darstellern nicht zu unterscheiden. Doch Björn hat ein Down Syndrom, und die Proben für das musikalische Märchen "Peter und der Wolf" in der Gladbecker Stadthalle sind nicht nur für ihn etwas Besonderes: Alle wichtigen Hauptrollen wie Peter, der Wolf sowie der Großvater und die Jäger sind ausschließlich mit behinderten Kindern besetzt.

"Unsere Schüler sollen das Gefühl haben, nicht an der Seite, sondern im Rampenlicht zu stehen und bewundert zu werden", sagt Michael Brieler-Jödecke, Leiter der Jordan Mai-Schule für geistig Behinderte, die vom Bistum Essen getragen wird. Zusammen mit der integrativen Luther Grundschule hat er das Projekt aus der Taufe gehoben. Seiner Erfahrung nach gehen bei den Proben Behinderte und Nichtbehinderte "völlig offen" miteinander um. "Ich helfe den anderen Kindern, wenn sie vergessen haben, was als nächstes kommt", sagt die neunjährige Katzen-Darstellerin Bianca Bäcker von der Lutherschule eifrig.

Insgesamt spielen 45 Kinder zwischen neun und 14 Jahren auf der Bühne. "Wir haben die Rollen so verteilt, dass sich meist Behinderte und Nichtbehinderte gegenüber stehen", erläutert Brunhild Thiesing, Leiterin der Lutherschule. In einer Anfangsszene zum Beispiel tanzen die neunjährige Eva Maria Gutzeit als "Peter" und der "Vogel" Gordon Pietruschke Arm in Arm über die Bühne. "Am Anfang waren die behinderten Schüler etwas schüchtern und ängstlich, doch mittlerweile hat sich das gelegt und sie haben enorm an Selbstbewusstsein gewonnen", betont Brieler-Jödecke. Als Eva Maria alias Peter den Wolf mit einer Wäscheleine fesselt, strahlt sie, ballt die kleinen Fäuste und streckt die Arme in die Luft.

Den musikalischen Hintergrund für Sergej Prokowjefs Märchen von dem Jungen Peter, der den bösen Wolf einfängt, liefern die 24 Jungen und Mädchen des Orchesters der Musikschule Gladbeck. Zu Anfang der Vorstellung sitzen die Musiker noch im Publikum. Die Schauspieler stellen im ersten Akt die Instrumente vor und holen die Musiker dann auf die Bühne. "So erklären wir dem jungen Publikum, dass die Streicher zu der Rolle des Peter gehören und die Hörner immer dann spielen, wenn der böse Wolf erscheint", sagt Brieler-Jödecke.

Als Vorlage für das etwa einstündige Stück dient eine kindgerechte, pantomimische Inszenierung Loriots. Moritz Hoffmann und Nicole Maurer von der Lutherschule lesen die Handlung vor und liefern ihren Kollegen so die Stichwörter. "Unsere behinderten Schüler können sich ganz auf ihre Bewegungen konzentrieren und müssen sich keine langen Texte merken", sagt Brieler-Jödecke. Björn ist von seiner Erfahrung als "Wolf" ganz begeistert: "Wenn ich auf der Bühne stehe, denke ich nicht daran, ob ich irgendwie anders als andere Kinder bin. Dann spiele ich einfach."

Die Premiere von "Peter und der Wolf" ist am Mittwoch um 10.30 Uhr in der Stadthalle Gladbeck. Weitere Vorstellungen gibt es um 15 Uhr sowie am Donnerstag um 10.30 Uhr.


 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. Februar 2011 um 18:37 Uhr